Interreg Projekt Trockenrasen

 

Das Projekt INT 162 zielt darauf ab, Trockenrasen im deutsch-polnischen Grenzraum zu erhalten und zu fördern. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit und der Austausch in Sachen Naturschutz im Grenzgebiet verbessert werden.

Trockenrasen sind trockene, krautreiche Pflanzengesellschaften, die überwiegend auf mageren, sandigen Standorten vorkommen und sich oftmals durch Blütenreichtum und Farbenpracht auszeichnen. Sie bieten einer Reihe an seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum.

 

Projektpartner:

Federacja Zielonych GAJA (Grüne Förderation GAJA), Stettin (Leadpartner), Landkreis Vorpommern-Greifswald (Projektpartner Mecklenburg-Vorpommern), Landkreis Uckermark

Projektbudget: ca. 1 Mio. € bei einer Förderquote von 85 %

Zeitraum: Juli 2019 – Juni 2022

 

Projektgebiete in Brandenburg:

  • FFH-Gebiet „Müllerberge“
  • FFH-Gebiet „Stettiner Berge“
  • FFH-Gebiet „Schwarzer Tanger“
  • Grenzstreifen und angrenzende Gebiete

Ansprechpartner: Jan Noack (Tel.: 033 31 – 29 87 90 / eMail: j.noack@lpv-ukermark-schorfheide.de)

 

Trockenrasen – geschützte Lebensräume

Im Landkreis Uckermark sind diese artenreichen Trockenrasenbiotope (Sandmagerrasen, basiphile Halbtrockenrasen und Steppentrockenrasen) hauptsächlich auf Lehm oder lehmhaltigen Sanden im Bereich von Endmoränenzügen oder Talhängen zu finden und haben sich häufig durch jahrhundertelange Beweidung oder auf Extremstandorten wie zum Beispiel in aufgelassenen Kiesgruben, steilen Hängen oder mageren Sandflächen entwickelt. 

Trockenrasen zählen deutschlandweit zu den stark gefährdeten Lebensräumen und sind als sogenannte Lebensraumtypen nach europäischem Recht (FFH-Richtlinie Anh.I) geschützt. Die Uckermark hat in Brandenburg und in Deutschland eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der Lebensraumtypen (LRT) der kontinentalen Sandtrockenrasen, Steppen- und Halbtrockenrasen. Hier kommen mit den LRT 6120* (Trockene, kalkreiche Sandrasen), 6210* (Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien) und 6240* (Subpannonische Steppen-Trockenrasen) drei Lebensraumtypen der Trockenrasen nach Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie vor und der Nordosten Brandenburgs ein Hauptverbreitungsgebiet der kontinental geprägten Steppenrasen und kalkreichen Sandrasen in Deutschland ist.

Eine Vielzahl sehr seltener Pflanzen-, aber auch Tierarten wie Wiedehopf, Neuntöter und zahlreiche Schmetterlings- und Heuschreckenarten sind speziell auf diese extrem trockenen Standorte angewiesen. Auch die Zauneidechse (Lacerta agilis), in Brandenburg streng geschützt und im Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet, Art, hat als wärmeliebende Art in den sonnenexponierten, offenen und halboffenen Vegetationsbeständen der Trockenrasen einen idealen Lebensraum.

Seltene Arten wie die Graue Skabiose (Scabiosa canescens), die Wiesen-Küchenschelle (Pulsatilla pratensis), das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) oder das Dreizähnige Knabenkraut (Orchis tridentata) kommen nur noch in wenigen anderen Regionen vor. Einzelne Arten wie die Sibirische Glockenblume (Campanula sibirica) erreichen in der Uckermark ihre westliche Verbreitungsgrenze und wachsen sonst nirgendwo in Deutschland.Neben den Pflanzen bieten diese Biotope einer Fülle an seltenen und gefährdeten Tierarten einen Lebensraum. Vor allem ist die Bedeutsamkeit für Tagfalter- und Widderchenarten als Nahrungs- und Fortpflanzungshabitat hervorzuheben.

 

Gefährdung

Die Trockenrasen in Brandenburg entstanden bis auf wenige Ausnahmen erst durch die Nutzung des Menschen. Sie sind heute hauptsächlich durch Nutzungsaufgabe und Gehölzausbreitung, sowie durch Nährstoffeintrag, eine intensive Freizeitnutzung oder durch Ausbreiten gebietsfremder Pflanzenarten gefährdet. So werden die oftmals kleinen, lichtliebenden Pflanzen schnell von konkurrenzstarken, schnellwüchsigen Gräsern und Sträuchern überwuchert und verdrängt. Das inselhafte Vorkommen dieser Lebensräume in einer strukturarmen Agrarlandschaft erschwert zusätzlich das Überleben der ansässigen Arten und deren weitere Ausbreitung.

Maßnahmen wie eine gezielte Entbuschung, Entfernung von Einzelgehölzen und eine langfristige Mahd- oder Weidenutzung sichern den Erhalt dieser seltenen Lebensräume.

 

Projektinhalte und Outputs

Zusammen mit dem Leadpartner Federacja Zielonych GAJA in Stettin, dem Landkreis Vorpommern-Greifswald und dem Landkreis Uckermark sollen ausgewählte Trockenrasenstandorte im deutsch-polnischen Grenzgebiet durch Pflegemaßnahmen wie Entbuschung, Mahd oder Beweidung wiederhergestellt und gepflegt werden. Kernstück ist dabei der deutsch-polnische Grenzstreifen, der sich als "grünes Band" zwischen den beiden Ländern erstreckt und als Wanderkorridor für Tiere und Pflanzen dienen kann.

Um die Effektivität der Maßnahmen kontrollieren zu können soll der Ist-Zustand der Biotope im Vorfeld erfasst werden.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit sollen für das Projekt Informationsbroschüren erstellt und für ausgewählte Zielgebiete Informationstafeln aufgestellt werden. Außerdem ist der fachliche Austausch zwischen Beteiligten und Interessierten durch gemeinsame Exkursionen geplant.

Darüber hinaus ist die Erstellung eines Managementkonzeptes zur besseren Pflege der Trockenrasen im Grenzgebiet vorgesehen, in das die Ergebnisse und Erfahrungen des Projektes miteinfließen sollen.

 

Ausblick

Mit diesem Projekt soll der Lebensraum Trockenrasen stärker in die breite Öffentlichkeit gerückt und das Bewusstsein über dessen Schutzbedürftigkeit im Grenzgebiet gestärkt werden. Gerade zu Zeiten des globalen Artenschwundes und des Insektensterbens in Deutschland ist es wichtig, auf die Problematik hinzuweisen und dieser mit gezielten Maßnahmen etwas entgegen zu setzen. So können Trockenrasen als Refugien der Biodiversität mit ihrer Lebensfülle und Schönheit die Menschen auch in Zukunft bereichern und nicht zuletzt den Naturtourismus in der Region stärken.